THEMA am 08.03.2017

Am Mittwoch, den 08.03.2017 lief im Kreativ-Haus mit der Veranstaltung “BildungsBeziehungen:THEMA” der zweite thematische Austausch im Rahmen des Projektes “BildungsBeziehungen”. Dr. Prasad Reddy, Gründer des ZSIMT Bonn, gestaltete einen interaktiven Vormittag bei seinem Vortrag „Weiterbildung im Spannungsfeld zwischen Zuwanderung, Exklusion und sozialer Inklusion“ und regte die Teilnehmer/innen an sich mit Fragen zu Herausforderung und Lösungsansätzen für den Umgang mit Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund in Erwachsenenbildung und Sozialer Arbeit auseinanderzusetzen. Im weiteren Verlauf stellte Dr. Reddy verschiedene theoretische Zugänge zum Spektrum Exklusion und Integration vor. Die wichtigsten Aspekte werden hier in Folge zusammengefasst:

  • Menschen auf der Flucht, werden aufgrund multipler Faktoren diskriminiert und nicht allein aufgrund der Flucht selbst (z.B. Geschlecht, sexuelle Orientierung, Religion, Aufenthaltsstatus etc.).
  • Die Aufgabe von Weiterbildung und Sozialer Arbeit steht im ständigen Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle, Förderung und Forderung, Nähe und Distanz.
  • Diese Spannungsfelder können durch konzeptionelle Arbeit und Netzwerke ausgehoben werden
  • Dazu ist ein Fokus auf die Prozesse und bestehende Konzepte nötig, statt nur die Ausgeschlossenen in den Fokus zu nehmen.
  • Der Begriff der „Hilfe“ sollte eher als „Befähigung“ verstanden werden: Die Ermöglichung von Wachstum, Entfaltung und individuelle Ausbildung von Fähigkeiten des Einzelnen mit dem Ziel Partizipation zu ermöglichen.
  • Bildungsprozesse sollten auch jenseits des formalen Bildungssystems gestaltet werden, welches wenig Platz für Selbstentfaltung bietet.
  • Um Exklusionsmechanismen zu identifizieren, ist jeder einzelne Professionelle gefragt, Haltung und eigene Diskriminierungsmechanismen zu hinterfragen und zu überprüfen um negative Stereotypen zu durchbrechen.
  • Weiterbildung und Unterstützung ist mehr als reine Vermittlung von Sprachkompetenzen und Kenntnisse der bestehenden Rechtsnormen.
  • Es bedarf eines flexiblen, inklusiven Curriculums, das Möglichkeiten zur Anpassung an individuelle Bedürfnisse bietet.

Als mögliches Handlungskonzept stellte Dr. Reddy den „Capability-Ansatz“ (Ermöglichungsansatz) vor, ein prozesshafter Ansatz mit dynamischer Ausrichtung und klarem Bezug zum sozialen Kontext, der soziale und personelle Bedingungen erfüllt und so den Einzelnen die Kontrolle über seine eigene Umgebung ermöglicht, so dass er oder sie auch politisch partizipieren kann. Im Fokus steht dabei die Lebensweltorientierung und nicht der Systemerhalt. Nach diesem ausführlichen theoretischen Input folgte ein zweiten gemeinsamen Austausch zum Thema „Welche positiven Erfahrungen haben wir gemacht, wenn es um heterogene Arbeitssituationen geht? Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten sind uns dabei begegnet?“. Folgende Ergebnisse und Lösungsansätze wurden im regen Dialog gesammelt:

  • Unterschiedlichkeiten in der (Lern-)Gruppe sollte als Reichtum und nicht als Hindernisse gewertete werden.
  • Fokus auf die „gemeinsame Bildung“ als Motor für die Gruppe – trotz Unterschiedlichkeit
  • Verschiedene Perspektiven Einnehmen
  • Komplexität nimmt zu und es fehlt an Konzepten dieser zu begegnen
  • Man muss eine gemeinsame Sprache/Kommunikation finden
  • „Ehrliche Begegnungen“, Authentizität – Prozesse ermöglichen, die auf Augenhöhe stattfinden
  • Vertrauen Aufbauen, respektvoller Umgang als Basis der (gemeinsamen) Arbeit
  • Jeder ist Experte seiner eigenen Situation
  • Engagement einfordern
  • Diversität im Team ist hilfreich und notwendig
  • Haltung und Inflexibilität der Behörden stellt eine große Barriere das