THEMA am 22.03.2017

Am Mittwoch, dem 22.03.2017 widmete sich das Projekt BildungsBeziehungen, der Frage, welche Rolle Hochschule und Ausbildung bei der Integration junger Flüchtlinge spielen. Hierzu hielt Prof. Dr. Kulkanti Barboza von der Fachhochschule Münster gemeinsam mit dem syrischen Flüchtling Hossam Sadiah und der Studentin Onon Unenbat einen praxisnahen und interessanten Vortrag über das Welcome-Projekt der Fachhochschule Münster, das im letzten Wintersemester in Münster, Rheine und Steinfurt durchgeführt wurde.  Dabei werden in Rahmen eines Tandem-Angebotes Studierende mit jungen Flüchtlingen zusammengebracht. Frau Barboza gab in Ihrem Vortrag einen sehr informativen Einblick in das Projekt – von Beantragung der Fördermittel bis hin zu Initiierung der ersten gemeinsamen Aktivitäten über einen ausführlichen Überblick über die teilnehmenden Flüchtlinge und Studierenden. Auch die Herausforderungen bei der Koordination des Projektes wurden ausführlich erläutert. Neben diesem praktischen Einblick in die Arbeit der Projekt-verantwortlichen bot die Studentin Onan Unembat eine weitere Perspektive in das Projekt: Sie hat selbst im letzten Semester gemeinsam mit einem syrischen Flüchtling im Tandem gearbeitet. Sehr ehrlich berichtete sie von ihren Sorgen und Vorurteilen, die im Vorfeld des Projektstartes für Unbehagen gesorgt haben und von der tollen Arbeit und der besonderen Beziehung die Sie zu ihrem Projektpartner Ali am Ende aufgebaut hat. Ein besonderer Moment an diesem Tag war sicherlich der Bericht des jungen Syrers Hossam Sadiah. Er hat selbst als Flüchtling am Welcome-Projekt teilgenommen und bot so eine ganz private Sicht auf das Ankommen in Deutschland. Er berichtet, dass er direkt nach seinem Abitur mit 17 Jahren gemeinsam mit seinem älteren Bruder von seinen Eltern auf die Flucht geschickt wurde. Er lebt nun seit ca. einem Jahr in Deutschland, getrennt von seinem Bruder und wartet darauf ein Studium beginnen zu können. Zum Anschluss seinen Vortrag rezitierte Herr Sadiah ein Gedicht in seiner Muttersprache Arabisch. Die Abschlussdiskussion nach diesem informativen und auch ergreifenden Vortrag drehte sich vor allem um folgende Fragen:

  • Welchen Einfluss hat bzw. haben die eigene Haltung und die eigenen Vorurteile im professionellen und privaten Kontakt mit Flüchtlingen?
  • Welche Einfluss hat die eigene  Biografie beim Kennenlernen von Menschen andere Kulturen?
  • Welchen Einfluss haben die Medien bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Vorurteilen?
  • Wie können Projekte, wie das Welcome-Projekt, mit solchen Medienbildern umgehen?
  • Welche Voraussetzungen müssen Flüchtlinge in Deutschland erfüllen, um ein Studium beginnen zu können?
  • Welches Sprachniveau ist nötig, um an einer Hochschule in Deutschland studieren zu können?
  • Welche Zugänge werden Flüchtlingen zu Sprachkursen gewährt?
  • Braucht es  auch fachspezifische Sprachangebote, die auf bestimmte Berufszweige abgestimmt sind?
  • Welche Hürden begegnen Geflüchteten hier in Deutschland auf dem Weg in eine berufliche Ausbildung?
  • Wie können Berufsabschlüsse in Deutschland anerkannt werden und wo ist das nicht möglich?
  • Mit welchen Informationen über Ausbildungs- und Abschlussmöglichkeiten kommen Menschen – insbesondere aus Syrien – nach Deutschland? Und in wieweit decken sich diese mit der Realität?
  • Welche Lebensumstände erwarten geflüchtete Menschen mit höherem Bildungsabschluss hier in Deutschland und welchen Einfluss hat dies auf ihre psychische Gesundheit?
  • Wie gelingt es Akteuren im arbeitsfeldbezogenen Kontakt mit Flüchtlingen die erforderliche Beziehungsarbeit zu leisten und gleichzeitig professionelle Distanz zu wahren?
  • Was bedeutet es, wenn die mehrheitlich männliche Gruppe der Geflüchteten auf die mehrheitlich weiblichen Mitarbeiterinnen in den (professionellen) Hilfsnetzwerken treffen?