WORKSHOP am 04/05.07.2017

Anfang Juli startete das Projekt BildungsBeziehungen mit dem ersten Workshopangebot in den Sommer. Bei der 2tägigen Veranstaltung „BildungsBeziehungen: WORKSHOP“ am 04. und 05.07.2017 begrüßten wir erneut Dr. Mohammad Hedari und Dr. Prasad Reddy, die bereits als Referenten zwei Veranstaltungen „BildungsBeziehungen: DIALOG“ gestaltet haben. Im Workshop hatten Referenten und Teilnehmer/innen nun Gelegenheit, die damals besprochen Themen zu erweitern, zu vertiefen und vor allem in den Praxistransfer zu bringen.

Am 04.07.2017 startet Dr. Prasad Reddy mit einem Workshop zum Thema „Diversitätsbewusste Bildungsarbeit – Grundsätze und Anwendungsmöglichkeiten“. Ziele und zentrale Elemente des Workshops waren:

  • Die eigene Haltung mit ihrer Voreingenommenheit zu hinterfragen und die eigene und die Diversität und Vielfalt der Anderen zu schätzen wissen
  • Funktionen, Grenzen und Gefahren von Vorurteilen und Stereotypen
  • Die Rolle von Machtkonstellationen in der Bildungsarbeit
  • Aufbau einer erfahrungsorientierten Definition von Diskriminierung
  • Eruierung der Implikation der „multikulturellen Realität“ Deutschlands (als Einwanderungsland) für die Bildungsarbeit
  • Vermeidung der Gefahr von Kulturalisierung oder „Religionisierung“ von komplexen sozialen Problemen
  • Elemente einer diversitätsbewussten Bildungsarbeit kennen lernen
  • Sich motivieren, um sich für eine inklusive und diversitätsbewusste Bildungsarbeit einzusetzen

Dr. Reddy gliederte den Tag in interaktive Lerneinheiten, offene Diskussionsrunden und praktische Übungen.

  1. „Diversität“ und „Diversitätsbewusstsein“
    • Gruppenarbeit: Welche positiven Erfahrungen haben wir in heterogenen Arbeitssituationen im Kontext von Migration und Bildungsarbeit gemacht?
  2. Stereotypen, Vorurteile und Machkonstellationen in der Bildungsarbeit
    • Diskussionsrunde: Wirkungsweisen von stereotyper und vorurteilsbehafteter Haltung von Beurteilenden/Wahrnehmenden/Begleitenden (z.B. Sozialarbeiter/innen, Dozent/innen)
  3. Anti-Bias, Soziale Inklusion, Capability Föderung und Beloning (Zugehörigkeit)
    • Theoretischer Input: Methoden einer diversitätsbewussten und sozialen und die Inklusionsfördernden Weiterbildung
    • Diskussionsrunde: Wie kann ein individueller und intentioneller Aktionsplan aussehen, der dies ermöglicht?
    • Übung: Auswege und Umgang mit Stereotypien und Vorurteilen
  4. Definition von „Diskriminierung“
  5. Diversitätsbewusste Bildung
    • Theroetischer Input: Begriffe, Konzepte, Ziele und (pädagogische) Haltung
    • Dikussionsrunde: „Schubladendenken“, eindimensionaler Blick, diversitätsbewusste Perspektive auf Individuen, diversitätsbewusste Perspektive auf Gruppe
  1. Zusammenfassung: Diversitätsbewusste Perspektiven der Bildungsarbeit:
    • Diversitätsbewusste Bildungsarbeit soll Menschen unterstützen, mit Vielfalt und Komplexität kritisch umzugehen, vollem im Kontakt mit Teilnehmern/-innen wird diese erlebbar und erkennbar
    • Alle verschiedenen „Ich´s“ einer Gruppe sollen durch Prozessorientierung, Kontakt und Kommunikation wahrgenommen werden
    • Wenn nötig müssen Prozesse „verlangsamt“ und/oder angepasst werden
    • Konflikten dürfen auftauchen und sind sogar willkommen
    • Es soll Raum für individuelle Bedeutungen und Erklärungen gegeben werden umso Generalisierungen zu vermeiden.
    • Wichtig ist die Sensibilität für Strukturen und Diskurse
    • „Capability- Förderung/Erweiterung“ sowie der Umgang mit Wiederstand und Freiwilligkeit sind wichtig
    • Ein sensibler Umgang mit Verletzungen und Diskriminierung sollte gegeben sein.

Am 05.07.2017 gestaltete Dr. Mohammed Heidari den Workshop zum Thema „Effektive Kommunikation und Kooperation: Anerkennungs- und teilhabefördernde Interaktionskompetenz in der Flüchtlingsarbeit“. Auch Dr. Heidari gestaltete den Tag interaktiv mit einer Mischung aus theoretischen Anteilen und praktischen Einheiten.

  1. Anforderungen und Herausforderungen in der Arbeitspraxis
  • Theoretischer Input: dynamisch-offener Kulturbegriff, interkulturelle Interaktionskompetenz und der induktiv-heuristische WAIK-Ansatz.
  • Diskussion: Wie erkennen wir migrationsspezifische Ressourcen und Barrieren? Welche Ressourcen und Potentiale der Vielfalt gibt es? Was sind integrationshemmende Belastungen im Kontext von Migration?
  1. Sensibilität im Migrationskontext („unterschiedliches kulturelles Gepäck“)
  • Kultur ist nicht angeboren sondern erlernt – „Verschiedene Sozialisationen führen zu Bildung unterschiedlicher Orientierungskonzepte und Verhaltensmuster (kulturelles Gepäck), unabhängig von Ethnie.“
  • Nicht Unterschiede sind das Problem, sondern der Umgang mit Ihnen. Die Vorrausetzungen sind: Offenheit für Vielfalt und kulturelle Differenzen und interkulturelle Interaktionskompetenz.
  1. Interkulturelle Kommunikations-, Konflikt- und Kooperationsfähigkeit
  • Gruppenarbeit: Praxisbeispiele
  • Übung: Rollenspiele
  • Ziele: Erkennen von wichtigen Punkten in der interkulturellen Kommunikation, Erkennen von Wahrnehmungs- und Deutungsfehlern, Erkennen von unterschiedlichen Rollenerwartungen
  • Übung: Nonverbale Kommunikation am Beispiel „Begrüßung“
  • Input: Einflussfaktoren auf das menschliche Verhalten

An beiden Workshoptagen herrschte eine besonders angenehme Atmosphäre im Kreativ-Haus. Die Teilnehmer/innen und Referenten führten spannende Diskussion und gingen in einen regen und inspirierenden Austausch, der auch das gemeinsame Mittagessen überdauerte. Wir freuen uns über die gelungene Veranstaltung und gehen gestärkt und mit vielen Impulsen in die Sommerpause.